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Kann ich meinen Vertrag im Fitnessstudio bei einem Umzug kündigen?

Zuletzt bearbeitet am

Kurz und knapp

Sie haben bei einem Umzug kein grundsätzliches Sonderkündigungsrecht, außer dies ist in den AGB Ihres Anbieters vermerkt. Einige Anbieter akzeptieren eine Kündigung, wenn vom neuen Wohnort aus keine Filiale des Fitnessstudios erreichbar ist. Möglich ist auch eine Vertragsauflösung aus Kulanzgründen. 

Verträge mit Fitnessstudios haben in der Regel eine Mindestlaufzeit von ein bis zwei Jahren. Die Kündigungsfrist beträgt üblicherweise drei Monate. Wird diese nicht eingehalten, verlängert sich der Vertrag meist stillschweigend automatisch. Das ist aus Kundensicht zwar äußerst ärgerlich, entspricht grundsätzlich aber den gesetzlichen Vorgaben (vgl. § 309 Nr. 9 b BGB).

Möchten Sie umziehen, können Sie Ihr Fitnessstudio möglicherweise nicht mehr in akzeptabler Zeit erreichen. Dies gibt Ihnen aber nicht automatisch ein Sonderkündigungsrecht.

Ein solches Recht besteht nach § 314 Abs. 1 BGB nur bei einem „wichtigem Grund“. Unbestritten sind Fälle, in denen der Fitnessstudio-Kunde wegen einer dauerhaften Erkrankung das Angebot des Fitnesscenters nicht mehr nutzen kann. Auch bei einer Schwangerschaft steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu.

Auszug aus dem BGB:

„Dauerschuldverhältnisse kann jeder Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann.“

Gilt bei einem Umzug ein Sonderkündigungsrecht?

Zunächst ist entscheidend, was vertraglich oder in den AGB des Fitnessstudios geregelt ist.

Einige Anbieter gewähren Ihren Kunden ein Recht auf eine außerordentliche Kündigung nach einem Umzug. Voraussetzung ist, dass am neuen Wohnort keine Filiale des Fitnessstudios erreichbar ist. Dies betrifft insbesondere große Fitnessstudio-Betreiber.

Dieses Sonderkündigungsrecht gilt bei den großen Fitnessstudio-Anbietern:

  • McFit: Die Fitnessstudio-Kette gewährt Ihnen ein Sonderkündigungsrecht bei einem Umzug mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende. Allerdings nur für den Fall, dass am neuen Wohnort kein Studio besteht und nur gegen Vorlage einer Ab- oder Anmeldebestätigung Ihrer Stadt/Gemeinde. Die Überschreibung des Vertrags auf eine andere Person erlaubt McFit nicht.
  • FitX: Auch der Anbieter FitX räumt seinen Kunden ein Sonderkündigungsrecht ein, wenn in der neuen Stadt oder Gemeinde im Umkreis von 20 Kilometern kein FitX-Studio vorhanden ist. Dazu wird explizit eine offizielle Bescheinigung vom Einwohnermeldeamt verlangt. Nach Eingang der Kündigung endet der Vertrag zum Ende des Folgemonats. Eine Übertragung des Vertrags schließt FitX ebenfalls aus.
  • Clever fit: In den AGB wird der Fall der außerordentlichen Kündigung aufgrund eines Umzugs explizit ausgeschlossen. Damit bleibt Ihnen lediglich die Möglichkeit, Ihr Studio direkt anzusprechen und auf Kulanz zu hoffen. Auch die Übertragung des Vertrags ist in den AGB ausgeschlossen. 
  • Easyfitness: Die AGB von Easyfitness sehen keinerlei Recht zu einer außerordentlichen Kündigung vor. Es bleibt also nur, nach einer kulanten Lösung zu fragen oder eben fristgerecht zu kündigen. Die Übertragung des Vertrags wird ausgeschlossen und die Weitergabe des Mitglieds-QR-Codes sogar mit einer Geldstrafe von 50 Euro belegt.
  • Kieser Training: Die Schweizer Fitnesskette veröffentlicht im Internet keine AGB, da sie als Franchise-Unternehmen dies den einzelnen Studios selbst überlässt. Fragen Sie bei Ihrem Fitnessstudio nach, ob Sie wegen Ihres Umzugs ein Sonderkündigungsrecht haben oder den Vertrag überschreiben können.
  • Fitness First: Bei Fitness First gelten lediglich die gesetzlichen Bestimmungen. Spezielle Sonderkündigungsrechte gibt es nicht. Von Studio zu Studio gelten leicht abgewandelte AGB, Ihnen bleibt also nur, direkt bei Ihrem Studio nachzufragen. 
  • Injoy: Wie auch viele andere Anbieter ist Injoy ein Franchise-Unternehmen, weshalb von Studio zu Studio unterschiedliche Regeln zur Kündigung oder Überschreibung eines Vertrags gelten können.
  • Pfitzenmeier: Auch die Kette Pfitzenmeier gewährt ihren Kunden kein außerordentliches Sonderkündigungsrecht. Der einzige Ausweg ist also eine Kündigung aus Kulanzgründen.
  • Mrs. Sporty: Da es sich bei Mrs. Sporty ebenfalls um ein Franchise-Unternehmen handelt, können neben den Mitgliedsbeiträgen auch die AGB und damit die Kündigungsbedingungen von jedem Fitnessstudio variieren. Prüfen Sie deshalb Ihren Vertrag, um die genauen Bedingung bei der Kündigung einzuhalten.

In Streitfällen gab es in der Vergangenheit einige Urteile mit etwas unterschiedlichen Rechtsprechungen. 

  • Am 5.12.1994 entschied das OLG Frankfurt (Az. 6 U 164/93), dass ein Kunde eines Fitnessstudios seinen Vertrag nach einem Umzug außerordentlich kündigen dürfe, da das Fitnessstudio nur noch mit großem Aufwand erreicht werden konnte.
  • In einem Urteil vom 17.12.2008 gab das Amtsgericht München (Az. 212 C 15699/08) einer Fitnessstudio-Kundin Recht, Ihren Vertrag zu kündigen, da ihr Ehemann berufsbedingt umziehen musste.
  • Das Amtsgericht Bremen urteilte am 16.10.2014 (Az. 10 C 47/14) zugunsten eines Fitnessstudios, dass ein Umzug aus beruflichen Gründen einen Kunden nicht dazu berechtigt, seine Vertrag außerordentlich zu kündigen.

Und was gilt nun wirklich?

Mittlerweile hat sich der Bundesgerichtshof eingeschaltet und 2016 ein Grundsatzurteil gefällt (Az. XII ZR 62/15).

Ein Zeitsoldat aus Hannover hatte darauf geklagt, seinen langfristigen Fitnessstudiovertrag kündigen zu dürfen, da er in eine andere Stadt versetzt wurde und somit das Angebot des Fitnesscenters nicht mehr wahrnehmen könne.

Der BGH wies die Klage ab und entschied, dass der Kunde seine Beiträge bis zum regulären Vertragsende weiterzahlen müsse. Er begründete die Entscheidung damit, dass ein Umzug – egal ob privat oder beruflich – immer im Einflussbereich des Kunden liege. Zudem wurde vom Kunden bewusst ein langfristiger Vertrag abgeschlossen, um die monatliche Gebühr geringer zu halten. Damit sei auch das zusätzliche Risiko zumutbar.

Vergleich mit DSL-Anbietern ist unwirksam

Im selben Urteil wies der BGH darauf hin, dass ein bis dato gern gezogener Vergleich mit DSL-Anbietern und dem dort geltenden Sonderkündigungsrecht nach einem Umzug nicht angebracht ist. 

Und wenn das Fitnessstudio umzieht?

Anders sieht die Lage aus, wenn das Fitnessstudio den Standort wechselt.

Das Amtsgericht Brandenburg hatte 2015 in einem solchen Fall (Az. 34 C 5/15) entschieden, dass ein Mann den Vertrag mit seinem Fitnessstudio fristlos beenden durfte, da er den Vertrag aufgrund der örtlichen Nähe zu seiner Arbeitsstelle abgeschlossen hatte.

Kulanz als Ausweg

Ein Sonderkündigungsrecht bei einem Umzug besteht also nur dann, wenn das Fitnessstudio dies in den AGB ausdrücklich nennt. 

Was Ihnen aber immer bleibt, ist auf Kulanz des Studiobetreibers zu hoffen. Schildern Sie dem Anbieter Ihren Fall und bitten Sie um eine vorzeitige Vertragsauflösung.

Das Fitnessstudio ist natürlich keinesfalls verpflichtet, dieser Bitte nachzukommen. Doch unter Fitnessstudios herrscht großer Wettbewerb und es ist nicht unüblich, dass sich Betreiber darauf einlassen, da sie negative Bewertungen vermeiden wollen. Insbesondere wenn Sie langjähriger Kunde sind haben Sie durchaus gute Karten.

Steht Ihnen kein Sonderkündigungsrecht zu und war die Bitte um Vertragsauflösung nicht erfolgreich, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als den Vertrag zum nächstmöglichen Termin ordentlich zu kündigen. Es ist also sinnvoll, bereits bei Vertragsabschluss die möglichen Konsequenzen- und die persönliche Lebensplanung zu berücksichtigen.

Darf ich meine Mitgliedschaft auf eine andere Person übertragen?

Ein anderer Weg, ohne Recht auf außerordentliche Kündigung aus dem Vertrag mit einem Fitnessstudio zu kommen, ist die Übertragung des Vertrags auf eine andere Person.

Allerdings ist dies in der Regel von den Anbietern in den AGB ausgeschlossen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie vorsichtshalber bei Ihrem Studiobetreiber nach.

Wie kündige ich meinen Vertrag richtig?

Wenn Sie Ihren Vertrag kündigen wollen, genügt in der Regel ein formloses Schreiben (häufig auch per E-Mail) an den Betreiber des Studios, in dem Sie den Umzug als Grund für Ihr Sonderkündigungsrecht nennen und ein offizielles Dokument (Meldebescheinigung vom Einwohnermeldeamt) zur Bestätigung beifügen.

Kündigung Checkliste - das muss drinstehen

  • Name
  • Anschrift
  • Empfänger
  • Mitgliedsnummer / Vertragsnummer
  • Begründung
  • ggf. Nachweis der Begründung
  • Bitte um Empfangs- und Kündigungsbestätigung
  • (falls nötig) Widerruf der Einzugsermächtigung
  • Ort, Datum
  • Unterschrift

Das Schreiben kann wie folgt formuliert sein:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich mein Vertragsverhältnis (Mitgliedsnummer: XXXXX) aufgrund meines Umzugs nach XXXXX fristlos zum XX.XX.XXXX und mache von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch.

Die durch den Umzug resultierende Entfernung macht es mir unmöglich, die vertraglich vereinbarten Leistungen zu nutzen.

Beigefügt finden Sie eine Kopie der Meldebescheinigung als Nachweis des Umzuges.

Bitte bestätigen Sie mir diese Kündigung unter Nennung des Datums, an dem die Mitgliedschaft endet, schriftlich.

Mit freundlichen Grüßen

Wohin muss ich die Kündigung schicken?

Viele Fitnessstudio-Ketten sind Franchise-Unternehmen. In der Regel kündigen Sie dann nicht bei der Zentrale oder dem Hauptsitz des Unternehmens, sondern direkt in Ihrem Studio.

In der Regel können Sie das Kündigungsschreiben auch einfach in Ihrem Studio vorbeibringen. Lassen Sie sich aber unbedingt von einem Mitarbeiter des Studios eine schriftliche Empfangsbestätigung ausstellen.

Wichtig: Denken Sie immer daran, in dem Kündigungsschreiben Ihre Mitgliedsnummer anzugeben und das Dokument handschriftlich zu unterschreiben.

McFit

Schicken Sie Ihre schriftliche Kündigung an:

RSG Group GmbH
Tannenberg 4
96132 Schlüsselfeld

Auch eine Kündigung per E-Mail an info@rsggroup.com oder per Fax an 09552-9319-115 ist möglich.

FitX

Neben dem Postweg können Sie Ihren Vertrag bei FitX auch online im Mitgliederbereich (membersarea.fitx.de) oder per E-Mail an mitglied@fitx.de kündigen. Postalische Kündigungen gehen an:

FitX Deutschland GmbH
Stoppenberger Straße 61
45141 Essen

Clever Fit

Die Kündigung geht in Textform an:

clever fit GmbH
Augsburger Str. 52
86899 Landsberg am Lech

Easyfitness

Schicken Sie Ihre Kündigung direkt an das Studio, in dem Sie den Vertrag abgeschlossen haben bzw. wo Sie trainiert haben.

Kieser Training

Auch bei Kieser Training geht die Kündigung an Ihre jeweilige Filiale.

Fitness First

Sie kündigen per E-Mail an service@fitnessfirst.de oder per Post an:

Fitness First Germany GmbH
Hanauer Landstraße 148a
60314 Frankfurt am Main

Injoy

Auch Injoy ist ein Franchisegeber, das heißt Sie kündigen direkt in Ihrem Studio.

Pfitzenmeier

Die Kündigung schicken Sie per Post an:

Fitnesspark Verwaltungs GmbH
Postfach 1365
68703 Schwetzingen

Mrs. Sporty

Wie auch bei anderen Franchise-Unternehmen kündigen Sie Ihren Vertrag direkt in Ihrer Fitnessstudio-Filiale.

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