Was ist das Wegerecht?

Wird ein Grundstück in zwei kleinere aufgeteilt, entsteht häufig die Situation, dass das hintere Grundstück keinen eigenen Zugang mehr zur öffentlichen Straße hat. In diesen Fällen wird von dem Wegerecht Gebrauch gemacht.

Das Wegerecht ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt und erlaubt Eigentümern einen Zugang über ein fremdes Grundstück zu nutzen.

Was es dabei zu beachten gibt, welche Pflichten beide Parteien einhalten müssen und wie das Wegerecht den Wert einer Immobilie beeinflusst, erfahren Sie jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Wegerecht erlaubt dem Begünstigten einen Zugang über ein fremdes Grundstück zu nutzen
  • Das Wegerecht kann sowohl vertraglich vereinbart, im Baulastenverzeichnis oder im Grundbuch eingetragen werden
  • Das Wegerecht beeinflusst den Wert aller beteiligten Immobilien

Was versteht man unter Wegerecht?

Ein Wegerecht entsteht, wenn ein Grundstück nicht über einen öffentlichen Zugang erreichbar ist.

In diesem Fall muss dem Grundstücksbesitzer das Recht eingeräumt werden, über ein fremdes Grundstück auf sein eigenes zu gelangen.

Beim Wegerecht wird zwischen einem “dienenden” und einem “herrschenden” Grundstück unterschieden. Dabei ist das Grundstück, welches überquert werden muss das “dienende”. Das “herrschende” ist dementsprechend das Grundstück, welches vom Wegerecht profitiert.

Wo ist das Wegerecht geregelt?

Das Wegerecht ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) im § 917 geregelt. Darin wird zwischen dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten Wegerecht unterschieden.

Nimmt eine Stadt oder Gemeinde das Wegerecht in Anspruch, greift das öffentlich-rechtliche Wegerecht. Hierbei wird eine “Baulast” in das Baulastenverzeichnis des dienenden Grundstücks eingetragen.

Im privaten Bereich gibt es zwei unterschiedliche Arten der Vereinbarung:

Im privaten Bereich gibt es zwei unterschiedliche Arten der Vereinbarung:

  • Privater Vertrag zwischen zwei Personen Das Wegerecht gilt nur für diejenigen, die den Vertrag schließen - egal ob mündlich oder schriftlich. Bei einem Hausverkauf erlischt das Wegerecht.
  • Eintragung in das Grundbuch Wird das Wegerecht in das Grundbuch eingetragen, bzw. eine Grunddienstbarkeit bestellt, ist das Recht an die Immobilie gebunden. In diesem Fall bleibt das Wegerecht auch bei einem Verkauf der Immobilie auf dem dienenden Grundstück bestehen
Kann ein Grundstück nur genutzt werden, indem über ein anderes Grundstück Zugang geschaffen wird, hat der Grundstücksbesitzer ein Anspruch auf Erteilung des Wegerechts.

In diesem Fall spricht man von einem “Notwegerecht”.

Als Grunddienstbarkeit werden Rechte an fremden Grundstücken bezeichnet. Neben dem Wegerecht gehören beispielsweise auch das Leitungsrecht oder die Bebauungsbeschränkung.

Welche Pflichten entstehen durch das Wegerecht?

Das Wegerecht erlaubt zwar die Überquerung eines fremden Grundstücks, ist jedoch auch mit Pflichten verbunden. Damit es nicht zu Streitigkeiten kommt, ist es sinnvoll für die Nutzung des Weges Vereinbarungen in Form von Rechten und Pflichten vertraglich festzuhalten.

Diese Fragen sollten Sie berücksichtigen:

  • Wer darf das Wegerecht nutzen?
  • Wer ist für die Instandhaltung des Weges verantwortlich?
  • Wer entfernt das Laub oder trägt die Kosten dafür?
  • Wer kümmert sich um den Winterdienst?
  • Wie soll der Weg angelegt werden?
  • Wo soll der Weg angelegt werden?
  • Darf der Weg mit Fahrzeugen befahren werden (Durchfahrtsrecht) oder nur zu Fuß (Durchgangsrecht)?
  • Welche Fahrzeuge dürfen den Weg befahren (Motorrad, LKW, PKW, etc.)?
  • Darf der Weg überbaut werden?
  • Dürfen Leitungen unter dem Weg verlegt werden?
  • Wird ein Nutzungsentgelt vereinbart?

Was kostet das Wegerecht?

Die Kosten für das Wegerecht sind abhängig von der Art der Vereinbarung und dem Grad der entstandenen Beeinträchtigung.

Die Kosten für den Grundbucheintrag sind abhängig vom Bodenwert des dienenden Grundstücks. Die Notarkosten variieren je nach Bundesland und liegen bei circa 30 Euro.

Soll der Eigentümer des belasteten Grundstücks entschädigt werden, können weitere Kosten in Form von Einmalzahlungen oder regelmäßigen Geldrenten fällig werden.

Liegt ein Notwegerecht vor, ist die Summe der Nutzungsentschädigung davon abhängig, wie stark die Immobilie auf dem dienenden Grundstück beeinträchtigt wird.

Wurde das Wegerecht freiwillig eingeräumt, besteht kein Recht auf eine Entschädigung. Eine Einigung unter den Eigentümern ist aber selbstverständlich möglich.

Welchen Einfluss hat das Wegerecht auf den Wert einer Immobilie?

Auf einem dienenden Grundstück wirkt sich das Wegerecht wertmindernd auf den Immobilienwert aus. Hierbei ist jedoch entscheidend, wie stark die freie Nutzung des Grundstücks eingeschränkt wird.

Entschädigung

In den meisten Fällen fällt die Wertminderung sehr gering aus und kann durch Entschädigungszahlungen einfach ausgeglichen werden.

Auf ein herrschendes Grundstück wirkt sich ein Wegerecht dagegen eher wertsteigernd aus. Dabei sollten jedoch mögliche Entschädigungszahlungen an den Eigentümer des dienenden Grundstücks berücksichtigt werden.

Bei einem Immobilienverkauf sollten Sie darauf achten, dass das Wegerecht in das Grundbuch eingetragen ist. So sichern Sie sich ab, dass das Wegerecht auch weiterhin bestehen bleibt, andernfalls kann es den Verkauf erschweren.

FAQ

Beim Wegerecht dürfen die umliegenden Anwohner über das eigene Grundstück gehen, um zu ihrem Haus zu gelangen.

Dies ist vor allem bei sogenannten Hinterliegergrundstücken der Fall. Das Wegerecht geht aus §1018 ff BGB hervor und wird meist im Grundbuch festgehalten. Namen werden hier jedoch nicht spezifiziert, damit es übertragbar bleibt.

Ein Wegerecht wird oft bei einem Hinterliegergrundstück eingetragen, bei dem der Eigentümer sonst nicht zu seinem Haus gelangen würde.

Erhält dieses Hinterliegergrundstück nun eine eigene Anbindung zu Straße, ist das Wegerecht „dauerhaft entbehrlich“ und die Grundberichtigung/Löschung des Wegerechts kann beantragt werden.

Das Geh- und Fahrtrecht definiert die Art des Wegerechts genauer.

Ist ein Gehrecht im Grundbuch eingetragen, so darf das Grundstück nur zu Fuß überquert werden.

Ist zusätzlich ein Fahrtrecht eingetragen, so darf das Grundstück auch mit PKW- und Motorrad überquert werden. Geparkt werden darf auf dem Grundstück allerdings nicht.

Jenny Häusler

Redakteurin

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