Hausverkauf auf Rentenbasis: Was bedeutet das?

Im hohen Alter kann es schnell passieren, dass man auf die Pflege von anderen angewiesen ist oder sogar in ein Pflegeheim umziehen muss.

In so einem Fall belasten vor allem finanzielle Sorgen viele Familien: Was kostet die Pflege und wer kommt dafür auf?

So kann es in manchen Fällen dazu kommen, dass man sein Haus verkaufen muss, um das Pflegeheim bezahlen zu können.

Doch es kommt immer auf den Einzelfall an: Hilfe erhalten Sie von einem Fachanwalt für Familien- und Sozialrecht.

Wie Sie sich dennoch rechtzeitig vor einem Verkauf schützen können und ab wann Ihre Kinder für Ihre Pflege bezahlen müssen, erklären wir Ihnen jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wie teuer die Pflege ist, hängt von dem Grad der Pflegestufe ab
  • Reichen die eigenen Mittel nicht aus, um die Pflege zu bezahlen, können auch die eigenen Kinder belangt werden
  • Um sich vor einem Zwangsverkauf der eigenen Immobilie zu schützen, kann eine Übertragung auf die Kinder sinnvoll sein

Wie teuer ist die Pflege?

Im Pflegefall ist man auf Hilfe angewiesen, doch leider ist Pflege eine teure Angelegenheit.

Aber was heißt “teuer”?

Wie viel genau jeder einzelne zahlen muss, hängt von individuellen Anforderungen ab. Auch ein Pflegegrad kann die Kosten bestimmten.

Da diese von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein können, bieten Pflegeeinrichtungen in der Regel Leistungspakete an, die man sich frei zusammenstellen kann.

  • Ambulante/ häusliche Pflege: zwischen 500 und 2.000 Euro pro Monat
  • 24-Stunden-Pflege: 1.500 bis 3.000 Euro pro Monat
  • Pflegeheim: 3.000 bis 5.000 Euro

Einen Teil der Kosten übernimmt die Pflegeversicherung. Für einen Aufenthalt im Pflegeheim wird dies aber in keinem Fall ausreichen.

Ohne private Pflegezusatzversicherung beträgt der Eigenanteil an einem dauerhaften Aufenthalt im Pflegeheim durchschnittlich 1.800 Euro, unabhängig vom Pflegegrad.

Die erste Quelle, die dann angezapft wird, ist die eigene Rente.

Doch geraten Sie jetzt nicht in Panik. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, einen Aufenthalt im Pflegeheim zu bezahlen.

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Wer zahlt für die Pflege?

Um die Kosten für die Pflege zu bezahlen, werden neben der Rente auch weitere Mittel des Pflegebedürftigen eingesetzt.

Reichen diese nicht aus, können auch deren Angehörige zur Kasse gebeten werden.

Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, springt der Sozialhilfeträger ein.

Alternative: Teilverkauf

Subsidiarität:

Für Sozialhilfe gilt in Deutschland der Grundsatz des Nachrangs (Subsidiarität). Das bedeutet: Nur demjenigen wird geholfen, der sich nicht selbst helfen kann – oder dem nicht schon von anderer Seite geholfen wird.

Das bedeutet: Bevor Sozialleistungen gezahlt werden, wird geprüft, ob die Pflegekosten aus den Eigenmitteln des Pflegebedürftigen abgedeckt werden können.

Wie wird das überprüft?

Um dies zu bewerten, wird das gesamte verwertbare Vermögen herangezogen.

Diese Mittel gelten als verwertbares Vermögen:

  • Geld
  • Wertguthaben
  • Wertpapiere
  • Lebensversicherungen
  • offene Forderungen an Dritte
  • Immobilien
  • Grundbesitz

Unter bestimmten Voraussetzungen kann daher verlangt werden, dass das Eigenheim verkauft wird, um aus dem Erlös die Pflegekosten abzudecken.

Schonvermögen bleibt unberührt

Das Sozialhilferecht macht aber ein Zugeständnis: Das sogenannte Schonvermögen, welches nicht für die Beurteilung des Sozialhilfeanspruchs gewertet werden darf.

Was gehört zum Schonvermögen?

Dazu gehört ein Schonbetrag von 5.000 Euro, den der Pflegebedürftige nicht für die Finanzierung der Pflegekosten verwenden muss. Gleiches gilt für den Ehepartner.

Auch ein „angemessenes“ Eigenheim zählt zum Schonvermögen. Voraussetzung ist jedoch, dass dies vom Pflegebedürftigen oder dessen Ehegatten, beziehungsweise Lebenspartner alleine oder mit Angehörigen bewohnt wird.

Achtung: Wohnen nur die Angehörigen (beispielsweise die Kinder) in der Immobilie, zählt diese nicht zum Schonvermögen.

Für Kinder bedeutet das: Müssen die Eltern in ein Pflegeheim umziehen, kommt man an dem Verkauf des Hauses häufig nicht vorbei.

Was ist ein “angemessenes” Eigenheim?

Ob eine Immobilie als angemessen eingeschätzt wird, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • der Zahl der Bewohner
  • dem Wohnbedarf
  • dem Zuschnitt und der Ausstattung
  • der Größe
  • dem Wert von Grundstück und Immobilie

Als Faustregel gilt:

Eine Eigentumswohnung oder ein Einfamilienhaus in „normaler“ Größe bleibt unangetastet.

Was passiert mit dem Vermögen von Angehörigen?

Falls ihre eigenen Mittel nicht mehr ausreichen, um die Pflegekosten zu bezahlen, können Ihre Kinder zur Kasse gebeten werden. Sofern Sie Kinder haben.

Haben die Eltern aber Anspruch auf Grundsicherung im Alter oder Hilfe zur Pflege gemäß § 61 SGB XII, hat dies Vorrang und muss beantragt werden.

Zwar übernimmt ein Sozialhilfeträger häufig die Kosten, prüft dann aber, ob er sich im Nachhinein einen Teil davon von den Kindern wiederholen kann.

Leider kann man sich nur in Ausnahmefällen dagegen wehren.

Zu den Ausnahmefällen zählen:

  • Straftaten oder seelische Grausamkeit der Eltern gegenüber ihren Kindern
  • ein seit langer Zeit abgebrochener Kontakt zu den Eltern

Haben Sie als Pflegebedürftiger mehrere Kinder?

Dann müssen diese sich die Unterhaltspflicht anteilsmäßig teilen.

Der Anteil hängt von dem individuellen Einkommen und Vermögen ab. Dabei wird übrigens auch das Einkommen des Ehepartners berücksichtigt.

Aber kein Grund zur Panik – wir haben gute Neuigkeiten:

Das Angehörigen-Entlastungsgesetz

Im Januar 2020 in das sogenannte “Angehörigen-Entlastungsgesetz” in Kraft getreten. Dieses besagt, dass nur noch Kinder zum Elternunterhalt verpflichtet sind, die über ein Jahresbruttoeinkommen von 100.000 Euro oder mehr verfügen.

Einen Haken gibt es: Nicht nur das Gehalt der Kinder fließt mit in die Berechnung ein, auch weitere Einnahmen, wie zum Beispiel aus Mieteinnahmen zählen dazu.

Aber: Vorhandenes Vermögen, wie Wohneigentum, bleibt unberührt. Zwar kann für ein Eigenheim ein Wohnwert angerechnet werden, um die eingesparte Miete einzurechnen – doch Ausgaben für  Zins- und Tilgungsleistungen sowie die Kosten für Gebäudeversicherung und Grundsteuer können dagegen abgezogen werden.

Auch regelmäßige Ausgaben für Urlaube, Hobbies und die eigenen Kinder können Sie von Ihrem Jahreseinkommen abziehen.

Elternunterhalt ist mit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz also nur noch für Top-Verdiener ein Thema.

Sollte ich meine Immobilie zum Schutz an meine Kinder verschenken?

Die Übertragung der Immobilie an Ihre Kinder ist eine gute Möglichkeit, sie vor dem Zwangsverkauf zu schützen.

Aber Achtung: Dies funktioniert nur, wenn Sie sich rechtzeitig darum kümmern

Innerhalb von 10 Jahren nach der Schenkung kann der Sozialhilfeträger die Rückübertragung der Immobilie fordern – so sollen durch einen Verkauf die Pflegekosten abgedeckt werden.

Möglich macht das der sogenannte “Sozialhilferegress”. Dieser erlaubt dem Sozialamt die Ansprüche der Eltern gegenüber den Kindern auf sich zu übertragen – auch gegen den Willen der Eltern.

Auch wenn die Kinder selbst in der Immobilie wohnen, ist diese nicht automatisch geschützt.

Aber es gibt einen Ausweg: Können sie nachweisen, dass es für den Erhalt des eigenen Unterhalts zwingend erforderlich ist, in der Immobilie wohnen zu bleiben, können sie einer möglichen Rückübertragung widersprechen.

Wir betonen nochmal: Um eine solche Situation zu verhindern, sollten Sie Ihre Immobilie frühzeitig an Ihre Kinder verschenken. Das kann übrigens auch im Hinblick auf die Erbschaftssteuer sinnvoll sein.

Was passiert mit einem eingetragenen Wohnrecht im Pflegefall?

Bei der Schenkung einer Immobilie an die eigenen Kinder ist es nicht unüblich, sich ein Wohnrecht im Grundbuch eintragen zu lassen.

Aber auch hier gibt es etwas zu beachten: Halten Sie in dem Schenkungsvertrag unbedingt fest, was mit dem Wohnrecht passiert, wenn die Eltern nicht mehr in der Lage sind, dieses auszuüben.

Andernfalls könnte der Sozialhilfeträger eventuell einen Anspruch auf Ersatzleistungen erheben.

Denn es gilt: Ein Wohnrecht erlischt nicht durch einen Umzug in ein Pflegeheim. Auch dann nicht, wenn eine Rückkehr eher unwahrscheinlich ist. 

Ob eine solche Forderung Erfolg haben kann, hängt leider stark vom Einzelfall ab.

Zwar ist ein Wohnrecht nach Ansicht des BGH höchstpersönlich und damit nicht auf einen Sozialhilfeträger übertragbar – doch um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Eltern und Kinder den möglichen Fall einer Unterbringung im Pflegeheim vertraglich abstimmen.

Download Checkliste für den Immobilienverkauf

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FAQ

Bei den älteren Generationen reicht die Rente oft nicht mehr zum Überleben aus. Wer ein Eigenheim besitzt, kann über eine Leibrente nachdenken. Hierbei wird das Haus unter der Bedingung verkauft, dass der Käufer dem Verkäufer ein lebenslanges Wohnrecht zusichert und eine monatliche Rente in vereinbarter Höhe zahlt.
Auf die herkömmliche Rente wird nur das Einkommen angerechnet. Wer aber eine Immobilie besitzt kann sich im Rahmen einer Immobilienrente zusätzlich monatlich absichern. Bei der sogenannten Leibrente wird die Immobilie unter der Bedingung verkauft, dass dem Verkäufer ein lebenslanges Wohnrecht und eine monatliche Vergütung zugesichert wird.
Bei der Immobilienrente oder Leibrente schließen Verkäufer und Käufer einen Vertrag. Der Käufer sichert dem Verkäufer ein lebenslanges Wohnrecht oder Nießbrauch zu und eine monatliche Zahlung, die von beiden Parteien vertraglich festgehalten wird. Im Gegenzug geht die Immobilie offiziell in den Besitztum des Käufers über.
Wer im Alter von seiner Rente nicht leben kann, aber Hauseigentümer ist, denkt oft über einen Hausverkauf nach. Eine Möglichkeit darin trotz Verkauf wohnen zu bleiben ist die Leibrente. Hierbei wird das Haus nur unter der Bedingung verkauft, dass dem Verkäufer ein lebenslanges Wohnrecht und eine monatliche Zahlung zugesichert wird.
Das Eigenheim ist nicht nur eine gute Wertanlage, sondern bietet auch finanzielle Unabhängigkeit. Mieterhöhungen gibt es nicht. Wer mehrere Immobilien besitzt kann diese vermieten und so ein kontinuierlich starkes finanzielles Polster aufbauen. Aber Vorsicht: Die finanzielle Unabhängigkeit ist nur dann gegeben, wenn Finanzierungen vor dem Renteneintritt getilgt sind.

Jenny Häusler

Redakteurin

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